Das Archiv 1927 – 2000 der Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor

1927: Die Gründung der Konzertvereinigung

Wie das Orchester der Wiener Staatsoper einst ein eigenes Konzert- Ensemble (die „Wiener Philharmoniker“) gründete, so hat 1927 das Chormitglied Viktor Maiwald (Foto) die „Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor“ ins Leben gerufen.

Nach dem Vorbild der Wiener Philharmoniker, die aus dem Orchester der Staatsoper hervorgingen, sollte der Chor auch ausserhalb der Staatsoper als professioneller Konzertchor die Musikszene bereichern. Das ursprüngliche Ziel ist in all den Jahren unverändert geblieben: mit allen großen Dirigenten und bedeutenden Orchestern Werke der Chorliteratur zu erarbeiten und in Konzerten auf höchstem Niveau dem Publikum zu präsentieren.

Viktor Maiwald

Viktor Maiwald

1927 – 1936

1927: Gründung der Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor durch das Chormitglied Viktor Maiwald am 5. Jänner. Erstes Konzert gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung des Operndirektors Franz Schalk (Bach: H-moll Messe) am 10. März.

1928: Der 100. Todestag Franz Schuberts prägt die musikalische Programmgestaltung dieses Jahres, wie zum Beispiel ein Freiluftkonzert am Wiener Josephsplatz gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern.

1929: Erstes a-cappella Konzert am 10. April ebenfalls unter dem Dirigat Franz Schalks (Bach, di Lasso, Brahms und Uraufführung des 16-stimmigen Chores Der Abend von Richard Strauss).

1930: Zweites a-cappella Konzert am 25. April ebenfalls unter Franz Schalk mit Werken von Schönberg, Palestrina, Bach, Brahms und der Uraufführung des 16-stimmigen Chores Hymne von Richard Strauss, der unter den Zuhörern weilt.

1931: Nach dem Tod Franz Schalks übernimmt der bewährte Chorfachmann Ferdinand Großmann als Chordirektor die Konzertvereinigung. Als besonderer Glücksfall erweist sich die Übernahme der Staatsoperndirektion durch Clemens Krauss, der volles Verständnis für die Pläne und Projekte der KV zeigt.

1932: Zum 200. Geburtstag Joseph Haydns finden zahlreiche Konzerte mit seinen Werken statt.

1933: 10 Jahre Mitwirkung bei den Salzburger Festspielen (u. a. mit dem Verdi-Requiem unter Bruno Walter) und ein Festkonzert unter der Leitung von Otto Klemperer beim deutschen Katholikentag in Wien.

1934: Konzert-Gastspiele in Budapest und Berlin mit A-cappella-Werken. Toscanini dirigiert in der Wiener Staatsoper das Verdi-Requiem im Gedenken an den ermordeten Bundeskanzler Dollfuß.

1935: Ab diesem Jahr höchst erfolgreiche Konzerttätigkeit unter Arturo Toscanini und dem neuen Operndirektor Felix Weingartner. Erringung des Grand Prix beim Chorwettbewerb der Pariser Weltausstellung unter dem neuen Chordirektor Bruno Walter. Während dieser Jahre gibt es Konzerte unter Hans Knappertsbusch, Wilhelm Furtwängler und Josef Krips.

1936: Toscanini dirigiert zwei Aufführungen des Deutschen Requiems in Wien und Salzburg sowie die Liebeslieder-Walzer von Johannes Brahms in Budapest.

Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor mit Franz Schalk.

Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor mit Franz Schalk

1937 – 1946

1937: 10 Jahre Konzertvereinigung. Festkonzert unter Bruno Walter im Musikverein. Matthäus-Passion unter Hans Knappertsbusch, der vom Chor so angetan ist, dass er ihn scherzhaft zum „Hundertköpfigen Kammersänger“ ernennt. Konzertreise nach Rom mit Audienz bei Papst Pius XI.

1938: Der Anschluss Österreichs an Deutschland ist für die breite Öffentlichkeit jener Tage wichtiger als alle kulturellen Ereignisse (natürlich auch die der Konzertvereinigung). Weder Beethovens IX. Symphonie in Salzburg noch Brahms’ Deutsches Requiem in Wien können die gewohnte Publikumsresonanz finden.

1939: Im ersten Kriegsjahr des II. Weltkrieges holt Clemens Krauss den Chor für einige Opernvorstellungen nach München, wo man an der Seite des dortigen Chores Lohengrin und Tannhäuser zum Besten gibt.

1940: Im zweiten Kriegsjahr legt Prof. Ferdinand Großmann aus Protest gegen die willkürliche Einsetzung eines neuen Operndirektors durch die Machthaber des Dritten Reiches endgültig sein Amt nieder, für ihn kommt Richard Roßmayer als neuer Chordirektor.

1941: Clemens Krauss organisiert für den Chor eine Reihe von Rundfunk-Aufnahmen, um so die kriegsbedingte „Kulturlosigkeit“ zu überbrücken.

1942: Anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens verleihen die Wiener Philharmoniker die (nach ihrem Gründer benannte) Nicolai-Medaille an die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor.

1943: 20 Jahre Mitwirkung bei den Salzburger Festspielen. Ansonsten besteht der Alltag aus konzertanten Opernaufführungen für den Rundfunk. Eine Ausnahme bildet das Verdi-Requiem unter Knappertsbusch.

1944: Im ansonsten gesperrten Staatsopernhaus finden Konzerte statt, wie etwa die IX. Symphonie von Beethoven.

1945: Sofort nach Beendigung des II. Weltkrieges übernimmt Josef Krips die Position des Chordirektors und beginnt mit a-cappella Konzerten in der unbeschädigten Volksoper (Die Staatsoper brannte knapp vor Kriegsende durch einen Bombenangriff der Alliierten vollständig aus).

1946: Da die anderen etablierten Chöre Wiens (Singakademie und Singverein) durch den Krieg stark geschwächt sind und erst wieder neu organisiert bzw. geschult werden müssen, ruht nun die Hauptlast des Wiener Konzertlebens der Nachkriegsjahre hauptsächlich auf den Schultern der Konzertvereinigung.

Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor mit Clemens Krauss.

Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor mit Clemens Krauss.

1947 – 1956

1947: 20 Jahre Konzertvereinigung. Uraufführung von Richard Strauss’ An den Baum Daphne, das er eigens dem Wiener Staatsopernchor widmete. Mitwirkung der Konzertvereinigung bei der Uraufführung von Gottfried von Einems Dantons Tod in Salzburg (Ferenc Fricsay).

1948: Nach dem viel zu frühen Tod des KV-Gründers und Vorstandes Viktor Maiwald übernimmt Franz Szkokan sein Amt.

1949: Der wiedergekehrte Clemens Krauss versucht als Konzertdirektor, Philharmonische Akademien als Gegensatz zu den Abonnementkonzerten der Wiener Philharmoniker ins Leben zu rufen.

1950: Bereits nach der dritten Philharmonischen Akademie kann dieses Projekt leider nicht mehr weitergeführt werden.

1951: International beachteter Triumph bei einem Gastspiel in der Schweiz mit den Wiener Philharmonikern unter Clemens Krauss.

1952: 25-jähriges Bestandsjubiläum. Heinrich Kralik schreibt in der Presse: „…Was die Konzertvereinigung im Laufe dieser Zeit beigetragen hat an schöner, großer und edler Musik, nimmt einen Ehrenplatz unseres Musiklebens ein…“

1953: 30 Jahre Mitwirkung bei den Salzburger Festspielen und rege Aufnahmetätigkeiten im Rundfunk sowie Auslandsreisen in die Schweiz und nach Frankreich.

1954: Nach dem Tod von Clemens Krauss tritt Karl Böhm an die Spitze der Konzertvereinigung.

1955: Im Jahr der feierlichen Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper hatte die Konzertvereinigung Gelegenheit, gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern unter Bruno Walter bei einem Konzert im Haus am Ring zu brillieren: mit Bruckners Te Deum und Beethovens IX. Symphonie.

 

Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor mit Bruno Walter.

Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor mit Bruno Walter.

1957 – 1966

1957: Zum 30-jährigen Bestehen der Konzertvereinigung: Als Sensation wird die szenische Gestaltung eines a-cappella Konzertes mit Gregorianischen Chorälen und Palestrina-Werken unter Herbert von Karajan gefeiert.

1958: Die IX. Symphonie von Beethoven bei einer Galaaufführung in Brüssel unter der Leitung von Herbert von Karajan.

1959: Die Eröffnung des neugebauten großen Festspielhauses in Salzburg bietet genug Möglichkeiten für den Chor der Konzertvereinigung, sich eindrucksvoll in Szene zu setzen.

1960: Nach einer fulminanten Darbietung der Konzertvereinigung im Verdi-Requiem unter Giulini im Wiener Musikverein fordern einige Zeitungskritiker mehr Beteiligung der KV am Konzertsektor, was aber wegen der vermehrten Aufgaben in der Staatsoper nicht möglich ist.

1962: Von 1962 bis 1982 wirkt der Chor der Konzertvereinigung bei den Bregenzer Festspielen mit.

1963: 40-jährige Mitwirkung bei den Salzburger Festspielen: Die Stadt Salzburg ehrt die Konzertvereinigung mit einem Festakt.

1964: Die Gastkonzerte in den Österreichischen Bundesländern werden wieder mit dem Verdi-Requiem aufgenommen.

1965:  Bei den Salzburger Festspielen dirigiert Claudio Abbado die 2. Symphonie von Mahler und Herbert von Karajan sorgte mit seinem Boris Godunow für den Höhepunkt des Sommers.

1966: Dieses Jahr bringt die aufsehenerregende Zusammenarbeit des Ensembles mit Leonard Bernstein und dem Regisseur Luchino Visconti für die Wiener Festwochenproduktion von Verdis Falstaff.

Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor mit Richard Roßmayer.

Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor mit Richard Roßmayer.

1967 – 1976

1967: 40 Jahre Konzertvereinigung. Erneute Zusammenarbeit mit Leonard Bernstein und Gastspiel in Toronto.

1969: Der Chor der Konzertvereinigung kehrt unter seinem neuen Chordirektor Norbert Balatsch erst jetzt wieder ins Konzertleben zurück und singt u. a. bei der Gala-Matinee 100 Jahre Wiener Oper am Ring unter Leonard Bernstein.

1970: In diesem Jahr holt Herbert von Karajan die Konzertvereinigung zu den Salzburger Osterfestspielen und für einige Konzerte nach Berlin.

1971: Erstmals wirkt die Konzertvereinigung beim Carinthischen Sommer mit, eine Konzertreise führt nach Moskau.

1972: Erste Zusammenarbeit mit dem jungen Riccardo Muti bei den Salzburger Festspielen.

1973: 50-jährige Mitwirkung bei den Salzburger Festspielen: Galakonzert mit Bruckners Te Deum und Mozarts Krönungsmesse, Einstudierung durch den Salzburger Chordirektor Walter Hagen-Groll, musiziert wird mit den Wiener Philharmonikern unter Herbert von Karajan.

1974: Erstes Adventkonzert unter Bernhard Klebel in der Wiener Franziskanerkirche.

1975: Seit diesem Jahr ist die Konzertvereinigung ein fester Bestandteil der Wiener Festwochen.

1976: Erstmaliges Auftreten in der Linzer Brucknerhalle mit Haydns Die Jahreszeiten unter Kurt Wöss.

Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor mit Prof. Walter Hagen- Groll.

Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor mit Prof. Walter Hagen- Groll.

1977 – 1986

1977: 50 Jahre Konzertvereinigung. Auf Initiative des damaligen Vorstandes Prof. Helmut Pilss findet das erste Allerheiligenkonzert mit Carlo Maria Giulini statt (J. Brahms: Ein deutsches Requiem).

1978: Giulini holt den Chor der Konzertvereinigung mit dem Deutschen Requiem zur Festmatinee „200 Jahre Scala“ nach Mailand.

1979: Leonard Bernstein dirigiert ein Konzert anlässlich der Eröffnung der Wiener UNO-City und organisiert eine groß angelegte USA-Tournee nach Washington und New York mit Fidelio und der 9. Symphonie von Beethoven.

1980: Die Konzertvereinigung ehrt Herbert von Karajan mit der Clemens-Krauss-Medaille in Gold.

1981:  Im November wird erstmals das Allerheiligenkonzert live aus dem Musikverein im TV übertragen.

1982: Igor Strawinskys Oedipus Rex bei den Salzburger Festspielen sowie seine Psalmensymphonie beim 6. Allerheiligenkonzert stehen u. a. auf dem Konzertkalender der Konzertvereinigung.

1983: 60 Jahre Mitwirkung bei den Salzburger Festspielen. A-cappella-Konzert in der Wiener Wotrubakirche unter Helmut Froschauer.

1984: A-cappella-Weihnachtskonzerte im Wiener Mozartsaal sowie im Theatersaal des psychiatrischen Krankenhauses auf der Baumgartner Höhe.

1985: Im Rahmen der Britischen Wochen kommt The Dream of Gerontius von Edward Elgar im Konzerthaus zur Aufführung. Passend dazu das War Requiem von Benjamin Britten beim 9. Allerheiligenkonzert.

 

Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor bei einem Allerheiligenkonzert.

Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor bei einem Allerheiligenkonzert.

1987 – 1996

1987: A-cappella-Gala in der Wiener Staatsoper anlässlich 60 Jahre Konzertvereinigung mit dem greisen Roberto Benaglio, der seit der Karajan-Ära als Betreuer des „italienischen Faches“ mit dem Chor zusammenarbeitet. Claudio Abbado wird zum neuen Konzertdirektor ernannt.

1988: Der schwedische Chordirigent Eric Ericson wird von der Konzertvereinigung eingeladen, Ein deutsches Requiem von Brahms für das 12. Allerheiligenkonzert unter N. Harnoncourt einzustudieren.

1989: In diesem Jahr gelingt es der Konzertvereinigung, zwei parallel laufende Produktionen der 8. Sinfonie von Gustav Mahler (im Konzerthaus als Festwochenkonzert unter Georges Prêtre und im Musikverein als Platteneinspielung unter Lorin Maazel) zu bestreiten. Das 13. Allerheiligenkonzert in Tokio (während eines Gastspiels der Wiener Staatsoper) – in memoriam Herbert von Karajan – wird zeitversetzt vom Fernsehen nach Europa übertragen.

1990: Der Konzertvereingung feiert mit den Wiener Symphonikern deren 90-jähriges Bestehen mit Carlo Maria Giulini und widmet das Allerheiligenkonzert dem zuvor verstorbenen Leonard Bernstein.

1991: Der Chor der Konzertvereinigung singt anlässlich des Mozartjahres im Wiener Stephansdom Mozarts Requiem unter der Leitung von Sir Georg Solti.

1992: Eröffnungskonzert der Wiener Festwochen mit Schönbergs Gurrelieder mit Claudio Abbado. In weiterer Folge wirkt die Konzertvereinigung bei einem Rossini-Konzert im Theater an der Wien mit, unter der Leitung von Giuseppe Sinopoli interpretiert man das Stabat Mater. Alte Oper Frankfurt: Berlioz’ Te Deum im Rahmen der Opernfestspiele, wieder unter Claudio Abbado.

1993: 70 Jahre Mitwirkung bei den Salzburger Festspielen.

1994: Das Jahr beginnt mit einer Platteneinspielung von Le nozze di Figaro (Claudio Abbado). Mitwirkung bei der Eröffnung der Wiener Festwochen unter dem Motto Das Fest des Prinzen Orlofsky (Domingo, Baltsa) vor dem Wiener Rathaus (28.000 Besucher).

1995: Es entsteht eine der einfühlsamsten CD-Produktionen der Konzertvereinigung, nämlich Rossinis Stabat Mater mit den Wiener Philharmonikern unter Myung-Whun Chung. In der Staatsoper konzertiert man anlässlich des Todestages von Gustav Mahler seine 2. Sinfonie mit Seiji Ozawa am Pult der Wiener Philharmoniker. Anlässlich „1000 Jahre Stadt Krems“ leitet Fabio Luisi die 9. Symphonie Beethovens in Krems und im Musikverein. Giuseppe Sinopoli spielt Elektra im Musikverein neu ein.

1996: Konzert in der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Carlo Maria Giulini (Bruckner: Te Deum). Regelmäßige Einladung des Chores der Konzertvereinigung zum Ravenna Festival (Riccardo Muti) – 1996/1999/2002 – mit den Produktionen Così fan tutte, Don Giovanni und Le nozze di Figaro.

Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor mit Roberto Benaglio.

Die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor mit Roberto Benaglio.

1997 – 2000

1997: 70 Jahre Konzertvereinigung. 

1998: 75 Jahre Mitwirkung bei den Salzburger Festspielen.

1999: Unter Zubin Mehtas Leitung brilliert der Damenchor der Konzertvereinigung bei Mahlers 3. Sinfonie in der Wiener Staatsoper.

Mit Beginn des dritten Jahrtausends, also ab 2001, erhält jedes Jahr eine eigene Archiv-Seite, auf der die Ereignisse, Termine, Aufführungen und Personalien der Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor detailliert nachzulesen sind.